Freispruch für einen Berber

Freispruch für einen Berber

An einem Sonntag erreichte mich während meines Notdienstes ein Anruf der Polizei in Bad Kreuznach. Etwa eine Stunde später traf ich meinen Mandanten in der Haftzelle. Er wies überdeutliche Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich auf. Die Kurzfassung seiner Geschichte lautete, dass er nachts, als er in der Fußgängerzone in einem Geschäftseingang schlafen wollte, sich über das laute Reden seines Mitbruders mit einem Passanten beschwerte. In der Folge wurde ihm eine Weinflasche über den Kopf geschlagen, er setzte sich mit dem Messer zur Wehr.

Am darauffolgenden Montag sollte er wegen versuchten Totschlags in Haft genommen werden. Im Hafttermin konnte der Haftrichter mit dem Argument einer Notwehrhandlung überzeugt werden.

Mein Mandant war überglücklich, aus der Haft entlassen zu werden. Meinerseits bestanden leise Zweifel, ob es überhaupt zu einer Hauptverhandlung kommt oder das Leben auf der Straße meinen Mandanten unauffindbar machen würde. Er war jedoch aufzufinden und es kam zur Hauptverhandlung vor der großen Strafkammer des Landgerichts Bad Kreuznach.

Im Falle einer Verurteilung hätte meinem Mandanten auch aufgrund seiner nicht ganz unbelasteten Vorgeschichte eine lange Haft gedroht. Wie meinem Berber Gerechtigkeit widerfuhr, können Sie in dem eingefügten Urteil lesen.